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Technology Steven Chareonbood 2. November 2026

KI-Agent erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Unternehmen

In sechs Schritten zu einem Agenten, der mit Ihrem Wissen arbeitet. Ohne Code und mit Ihren Daten in der Schweiz oder der EU.

Einen KI-Agenten zu erstellen, braucht heute keine Programmierkenntnisse mehr. Sie brauchen eine klar umrissene Aufgabe, ein passendes Sprachmodell, gute Anweisungen, das richtige Wissen und die nötigen Werkzeuge. In dieser Anleitung gehen wir diese Bausteine Schritt für Schritt durch, allgemein und am Beispiel von Evoya Agents. Am Ende steht ein Beispiel-Agent, den Sie direkt nachbauen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klein anfangen: Der erste Agent sollte eine einzige, wiederkehrende Aufgabe mit klarer Eingabe und klarem Ergebnis übernehmen.
  • Sechs Schritte: Aufgabe festlegen, Modell wählen, Anweisungen schreiben, Wissen anbinden, Werkzeuge freigeben, testen und teilen.
  • Datenschutz von Anfang an mitdenken: Für sensible Daten wählen Sie ein Modell, das in der Schweiz betrieben wird. Bei Evoya werden Ihre Daten nie zum KI-Training verwendet.

Was ist ein KI-Agent?

Ein KI-Agent ist ein Programm, das mit einem Sprachmodell eine Aufgabe selbstständig erledigt. Anders als ein einfacher Chat beantwortet er nicht nur Fragen, sondern arbeitet mit Ihrem Wissen, nutzt Werkzeuge wie E-Mail oder Kalender und führt mehrere Schritte nacheinander aus. Der Mensch legt fest, was der Agent darf, und prüft die Ergebnisse dort, wo es darauf ankommt.

Bevor Sie starten: die richtige Aufgabe wählen

Die meisten Agenten scheitern nicht an der Technik, sondern an einer zu grossen oder zu vagen Aufgabe. Gute erste Agenten haben drei Eigenschaften:

  • Eng umrissen: «Kundenanfragen zu Lieferzeiten beantworten» statt «den Kundendienst übernehmen».
  • Wiederkehrend: Die Aufgabe fällt täglich oder wöchentlich an, sodass sich die Einrichtung schnell lohnt.
  • Klare Eingabe, klares Ergebnis: Eine E-Mail, ein PDF oder eine Frage geht hinein, eine Antwort, eine Zusammenfassung oder ein ausgefülltes Formular kommt heraus.

Typische Kandidaten sind Antworten auf häufige Fragen, das Auslesen von Bestellungen und Rechnungen, das Vorsortieren von Bewerbungen oder E-Mails und wiederkehrende Recherchen.

Schritt 1: Aufgabe und Ziel festlegen

Schreiben Sie in zwei, drei Sätzen auf, was der Agent tun soll, für wen und woran Sie erkennen, dass er gut arbeitet. Legen Sie auch fest, was er nicht tun darf, etwa verbindliche Zusagen machen oder Preise nennen, die nicht in den Unterlagen stehen.

Dieser kurze Auftrag ist später die Grundlage für die Anweisungen und für Ihre Tests. In Evoya Agents können Sie mit einem vorkonfigurierten Agenten starten und ihn an Ihre Aufgabe anpassen, oder einen eigenen Agenten von Grund auf zusammenstellen.

Schritt 2: Das passende Modell wählen

Das Sprachmodell ist das Gehirn des Agenten. Nicht jedes Modell passt zu jeder Aufgabe: Für Texte und Zusammenfassungen genügen oft schnelle, günstige Modelle, für anspruchsvolles Schlussfolgern lohnen sich grössere Modelle. Entscheidend ist ausserdem, wo das Modell betrieben wird.

In Evoya Agents wählen Sie aus über 30 Modellen, von Schweizer Open-Source-Modellen bis ChatGPT, Claude und Gemini. Unsere Faustregel: Für Personendaten und vertrauliche Unterlagen ein Modell, das in der Schweiz läuft. Für öffentliche Recherchen, Ideen oder Entwürfe ohne sensible Daten auch internationale Modelle.

Schritt 3: Anweisungen schreiben

Die Anweisungen (auch Prompt genannt) geben dem Agenten seine Rolle, sein Vorgehen und seinen Ton vor. Gute Anweisungen sind konkret und enthalten Beispiele. Ein bewährter Aufbau:

Rolle: Du bist der Auskunfts-Assistent der Gemeinde Musterdorf.
Aufgabe: Du beantwortest Fragen von Einwohnerinnen und Einwohnern
zu Reglementen und Gebühren.
Vorgehen: Antworte nur auf Basis der hinterlegten Dokumente und nenne
das Dokument, aus dem die Antwort stammt.
Grenzen: Findest du keine Antwort, sag das offen und verweise auf die
Gemeindekanzlei. Gib keine rechtliche Beratung.
Ton: Freundlich, kurz, in der Sie-Form.

In Evoya Agents ergänzen Sie die Anweisungen bei Bedarf mit Skills, die dem Agenten zusätzliche Fähigkeiten für bestimmte Aufgaben geben.

Schritt 4: Wissen anbinden

Ein Agent ist nur so gut wie das Wissen, mit dem er arbeitet. Laden Sie die Dokumente hoch, die er für seine Aufgabe braucht, oder verbinden Sie bestehende Ablagen, damit er immer mit dem aktuellen Stand arbeitet. Weniger ist dabei oft mehr: Zehn aktuelle, gut strukturierte Dokumente schlagen tausend veraltete.

Technisch funktioniert das meist über RAG (Retrieval-Augmented Generation): Der Agent sucht zu jeder Frage die passenden Textstellen und formuliert seine Antwort daraus. Mehr dazu im Glossar.

Schritt 5: Werkzeuge und Integrationen freigeben

Erst mit Werkzeugen wird aus einem Assistenten ein Agent, der handelt: E-Mails senden, Termine nachschlagen, Daten in ein CRM eintragen. Geben Sie nur die Werkzeuge frei, die der Agent für seine Aufgabe wirklich braucht.

In Evoya Agents greift der Agent über Connectors, APIs und das Model Context Protocol (MCP) auf externe Systeme zu, etwa auf Microsoft 365, Datenbanken oder Dateiablagen. Wie das für E-Mails konkret aussieht, zeigt unsere Anleitung So lernen Ihre AI Agenten E-Mails zu senden. Für grössere Aufgaben kann ein Agent Teilaufgaben an spezialisierte Subagenten abgeben.

Schritt 6: Testen, teilen, verbessern

Testen Sie den Agenten mit zehn bis zwanzig echten Fällen aus Ihrem Alltag, auch mit schwierigen und mit solchen, die er ablehnen soll. Prüfen Sie: Stimmt die Antwort? Nennt er die Quelle? Hält er sich an die Grenzen? Passen Sie danach die Anweisungen oder das Wissen an.

Funktioniert der Agent, teilen Sie ihn mit Ihrem Team. In Evoya Agents greifen dann alle auf denselben Agenten mit demselben Wissen und denselben Werkzeugen zu. Ein einmal erstellter Agent lässt sich ausserdem in mehreren Kanälen einsetzen: im Chat, auf der Website, in Microsoft Teams oder Slack und im E-Mail-Postfach. Planen Sie eine regelmässige Durchsicht ein, etwa monatlich, um neue Fragen und veraltete Dokumente zu erkennen.

Beispiel zum Nachbauen: der Offerten-Assistent

Ein Agent, der aus einer Kundenanfrage einen Offertentwurf vorbereitet, den eine Person nur noch prüft und versendet:

Baustein So richten Sie ihn ein
Ziel Aus einer Anfrage per E-Mail einen Offertentwurf mit Positionen und Preisen aus der aktuellen Preisliste erstellen
Modell Ein in der Schweiz betriebenes Modell, weil Kundendaten und Preise im Spiel sind
Anweisungen Anfrage zusammenfassen, passende Leistungen aus der Preisliste wählen, fehlende Angaben als offene Fragen auflisten, nie Rabatte erfinden
Wissen Preisliste, Leistungsbeschriebe, zwei, drei gute Beispiel-Offerten, AGB
Werkzeuge Zugriff auf das Postfach für Anfragen; der Entwurf geht an die zuständige Person, nicht direkt an den Kunden
Test Zehn alte Anfragen durchspielen und die Entwürfe mit den tatsächlich versandten Offerten vergleichen

Die gleiche Struktur funktioniert für eine Reglement-Auskunft in einer Gemeinde, einen Agenten für interne IT-Fragen oder einen täglichen Research-Assistenten.

Fünf KI-Agenten, die Schweizer Organisationen heute nutzen

  • Versicherungsberatung bei insurando.ch: Ein Agent im Website-Chat beantwortet Fragen zu Grund- und Zusatzversicherungen, klärt den Bedarf ab und gewinnt Leads, auch ausserhalb der Geschäftszeiten. Zum Projekt
  • Auftragserfassung bei ASTORtec: Bestellungen aus E-Mails und PDFs werden automatisch erfasst, geprüft und ins ERP übertragen, statt rund 10 nur noch 1–2 Minuten pro Auftrag. Zum Projekt
  • Über 30 Agenten an der BWS Uster: Tutoren für den Unterricht und administrative Agenten für das Backoffice, für mehr als 200 Nutzende. Zum Projekt
  • Website-Chat der Gemeinde Küsnacht: Beantwortet häufige Fragen rund um die Uhr, per Text oder Sprache, und leitet bei Bedarf weiter. Zum Projekt
  • Research-Assistent: Recherchiert täglich automatisch und legt das Wissen durchsuchbar für das Team ab. Zur Anleitung

KI-Agenten und Datenschutz

Sobald ein Agent mit Personendaten arbeitet, gilt das Datenschutzgesetz. Der Datenschutzbeauftragte des Bundes (EDÖB) hält fest, dass das DSG direkt auf KI anwendbar ist. Drei Punkte sollten Sie vor dem Start klären:

  • Wo werden die Daten verarbeitet? Wählen Sie für sensible Daten ein Modell, das in der Schweiz betrieben wird.
  • Was darf der Agent? Geben Sie nur die Werkzeuge und Ablagen frei, die er braucht.
  • Wo prüft ein Mensch? Bei Entscheiden mit Folgen für Kundinnen, Mitarbeitende oder Bürger gibt der Agent einen Vorschlag ab, die Entscheidung trifft eine Person.

Mehr dazu, was der Bund plant, lesen Sie in unserem Beitrag zum KI-Gesetz Schweiz.

No-Code-Plattform, n8n oder Eigenentwicklung: was passt?

Weg Passt, wenn … Zu beachten
KI-Plattform ohne Code (z. B. Evoya Agents) Fachteams Agenten selbst bauen und teilen sollen und Datenstandort und Rechte zentral geregelt sein müssen Sehr spezielle Abläufe brauchen eventuell eine Integration
Workflow-Tools wie n8n oder Make Ein technisches Team viele Systeme in festen Abläufen verbinden will Betrieb, Hosting und Datenschutz liegen bei Ihnen; für Fachteams eher technisch
Eigenentwicklung Der Agent tief in eigene Software oder Prozesse eingebaut werden muss Höherer Aufwand, braucht Entwicklerinnen und Entwickler für Bau und Wartung

Unsere Einschätzung aus der Praxis. Die Wege lassen sich kombinieren: Viele Organisationen starten auf einer Plattform und lassen einzelne Integrationen entwickeln.

Häufige Fragen zum Erstellen von KI-Agenten

Brauche ich Programmierkenntnisse, um einen KI-Agenten zu erstellen?
Nein. Auf einer KI-Plattform wie Evoya Agents stellen Sie Modell, Anweisungen, Wissen und Werkzeuge ohne Code zusammen. Programmieren braucht es erst für eigene Integrationen in spezielle Systeme.

Wie lange dauert es, einen KI-Agenten zu erstellen?
Ein vorkonfigurierter Agent ist in Minuten einsatzbereit. Ein eigener Agent mit Ihrem Wissen und eigenen Werkzeugen braucht je nach Aufgabe etwas mehr Zeit für Einrichtung und Tests.

Was ist der Unterschied zwischen einem Chatbot und einem KI-Agenten?
Ein Chatbot beantwortet Fragen. Ein KI-Agent erledigt Aufgaben: Er arbeitet mit Ihrem Wissen, nutzt Werkzeuge und führt mehrere Schritte selbstständig aus.

Welches Sprachmodell eignet sich für einen KI-Agenten?
Das hängt von Aufgabe und Daten ab. Für sensible Daten empfehlen wir ein Modell, das in der Schweiz betrieben wird, für anspruchsvolle Aufgaben ohne sensible Daten auch grosse internationale Modelle. Testen Sie zwei, drei Modelle mit denselben Fällen.

Werden meine Daten zum Training der KI verwendet?
Bei Evoya nicht: Ihre Daten werden in der Schweiz oder in der EU verarbeitet und nie zum KI-Training verwendet. Bei anderen Anbietern lohnt es sich, die Vertragsbedingungen genau zu prüfen.

Können mehrere KI-Agenten zusammenarbeiten?
Ja. Ein Haupt-Agent kann Teilaufgaben an spezialisierte Subagenten abgeben, zum Beispiel einer recherchiert, ein zweiter schreibt, ein dritter prüft.

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