Apertus: Das offene Schweizer KI-Sprachmodell einfach erklärt
Was EPFL, ETH Zürich und das nationale Hochleistungsrechenzentrum CSCS gebaut haben, was Apertus kann und wo es noch nicht mithält. Und wie Sie es heute im Unternehmen nutzen, ohne eigene Grafikkarten.
Was ist Apertus?
Apertus ist ein vollständig offenes, mehrsprachiges KI-Sprachmodell aus der Schweiz. Entwickelt haben es die EPFL, die ETH Zürich und das Nationale Hochleistungsrechenzentrum der Schweiz (CSCS) im Rahmen der Swiss AI Initiative. Veröffentlicht wurde es am 2. September 2025 in zwei Grössen mit 8 und 70 Milliarden Parametern.
«Offen» heisst bei Apertus mehr als bei den meisten anderen Modellen: Nicht nur die Modellgewichte sind frei verfügbar, sondern auch die Trainingsdaten, die Trainingsrezepte und Zwischenstände des Trainings. Die Lizenz Apache 2.0 erlaubt die Nutzung auch für kommerzielle Zwecke.
Apertus ist ein Large Language Model wie die Modelle hinter ChatGPT. Es ist aber kein fertiger Chat-Dienst, sondern ein Baustein: Sie nutzen es über eine Plattform, eine Schnittstelle oder betreiben es selbst. Mehr zum Prinzip offener Modelle lesen Sie im Glossar unter Open-Source-KI.
Apertus in Zahlen
Angaben laut Modellkarte auf Hugging Face und CSCS, Stand Oktober 2026.
Apertus 1.5: Was die neue Version kann
Am 24. Juli 2026 hat das CSCS Apertus 1.5 veröffentlicht. Die neue Version baut auf 1.0 auf und wurde weiter trainiert: das 8B-Modell mit 4 Billionen, das 70B-Modell mit 2 Billionen zusätzlichen Tokens. Lizenz und Offenheit bleiben gleich.
Versteht Bilder
Apertus 1.5 nimmt neben Text auch Bilder entgegen. Eine Audio-Eingabe ist als experimentelle Funktion dabei.
Denkmodus
Ein zuschaltbarer Denkmodus lässt das Modell Zwischenschritte durchgehen, bevor es antwortet. Das hilft bei mehrstufigen Aufgaben.
Viermal mehr Kontext
Das Kontextfenster wächst laut Public AI auf rund 262'000 Tokens. So passen lange Verträge oder ganze Dossiers in eine Anfrage.
Besser mit Werkzeugen
Anweisungen werden genauer befolgt, und das Modell kann Werkzeuge und Schnittstellen besser aufrufen. Das ist die Grundlage für KI-Agenten.
Apertus Mini
Dazu kommen 16 kompakte, verkleinerte Varianten. Sie laufen auf schwächerer Hardware, etwa auf Laptops oder in Geräten.
Noch ohne Benchmarks
Einen technischen Bericht mit Messwerten zu Version 1.5 hat Public AI für die kommenden Wochen angekündigt. Bis dahin gibt es nur die Zahlen zu Version 1.0.
Apertus im Vergleich mit Llama, Qwen und ChatGPT
Die Entwickler haben die Basismodelle von Apertus 1.0 mit offenen Modellen ähnlicher Grösse verglichen. Der Wert ist der Durchschnitt aus sechs gängigen Tests für Allgemeinwissen, logisches Schliessen und Mehrsprachigkeit (ARC, HellaSwag, WinoGrande, XNLI, XCOPA, PIQA).
| Modell | Grösse | Durchschnitt |
|---|---|---|
| Apertus 70B | 70 Mrd. | 67,5 |
| Llama 3.1 70B (Meta) | 70 Mrd. | 67,3 |
| Qwen2.5 72B (Alibaba) | 72 Mrd. | 69,8 |
| Apertus 8B | 8 Mrd. | 65,8 |
| Llama 3.1 8B (Meta) | 8 Mrd. | 65,4 |
| Qwen2.5 7B (Alibaba) | 7 Mrd. | 64,4 |
Quelle: Modellkarte Apertus auf Hugging Face, Basismodelle Version 1.0.
Was die Zahlen sagen: Apertus liegt etwa gleichauf mit Llama 3.1 von Meta und knapp hinter Qwen2.5. Für ein Modell, dessen Trainingsdaten vollständig offengelegt sind und das Ausschlusswünsche von Datenbesitzern berücksichtigt, ist das ein gutes Ergebnis.
Was sie nicht sagen: Mit den grössten kommerziellen Modellen wie GPT, Claude oder Gemini wurde Apertus nicht direkt verglichen. Bei komplexen Aufgaben, langen Texten und beim Programmieren sind diese weiterhin deutlich stärker. Apertus punktet mit Transparenz und Kontrolle, nicht mit Spitzenleistung.
Apertus nutzen: sechs Wege
Vom kostenlosen Test im Browser bis zum Betrieb im eigenen Rechenzentrum. Welcher Weg passt, hängt davon ab, ob Sie nur ausprobieren oder mit Firmendaten arbeiten wollen.
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1
Public AI: im Browser testen
Die gemeinnützige Initiative Public AI bietet einen Chat mit Apertus an: das 8B-Modell ohne Anmeldung, das 70B-Modell mit Denkmodus nach Login. Gut zum Ausprobieren, nicht für vertrauliche Daten gedacht.
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2
Hugging Face: Modell herunterladen
Die Gewichte liegen frei auf Hugging Face, etwa unter
swiss-ai/Apertus-70B-Instruct-2509und in der Sammlung zu Version 1.5. Für Entwicklerinnen und Entwickler, die das Modell selbst betreiben oder anpassen wollen. -
3
Lokal auf dem Laptop
Das 8B-Modell läuft verkleinert (quantisiert) auch auf einem Laptop, zum Beispiel auf Apple-Rechnern mit Apple Silicon. Laut Liip reicht dafür sogar eine Grafikkarte mit 8 GB Speicher.
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4
Über eine Schnittstelle (API)
Swisscom stellt Apertus seit September 2025 Geschäftskunden auf der Swiss AI Platform bereit. Infomaniak bietet Apertus 1.5 mit 70 Milliarden Parametern per API an. Sinnvoll, wenn Sie eigene Anwendungen bauen.
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5
In der Evoya-Plattform
In Evoya steht Apertus neben über 30 weiteren Modellen bereit, ohne Installation. Ihr Team nutzt es im Chat, in KI-Agenten und mit eigenen Dokumenten, verwaltet von Ihrer Organisation.
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6
Im eigenen Rechenzentrum
Das 70B-Modell braucht Server-Grafikkarten. Als Richtwert (eigene Schätzung): rund 140 GB Grafikspeicher in voller Genauigkeit, rund 40 GB verkleinert. Wir planen und betreiben das für Sie: KI On-Premise.
Wofür sich Apertus eignet und wofür nicht
Unsere Einschätzung aus der Praxis. Testen Sie vor dem Entscheid mit Ihren eigenen Beispielen.
Gut geeignet
- Texte zusammenfassen, übersetzen und umformulieren
- Fragen zu internen Dokumenten beantworten (RAG)
- E-Mails und Anfragen sortieren und Daten herauslesen
- Anwendungen, bei denen nachvollziehbar sein muss, womit das Modell trainiert wurde
- Verwaltung und Bildung, wo offene Schweizer Technologie gewünscht ist
Besser ein anderes Modell
- Komplexe Analysen über viele Schritte
- Programmieren und technische Fehlersuche
- Anspruchsvolle Texte, bei denen jede Formulierung sitzen muss
- Aufgaben, die aktuelles Wissen aus dem Internet brauchen
Unser Rat
- Nicht ein Modell für alles wählen
- Sensible Daten mit Apertus oder anderen Schweizer Modellen bearbeiten
- Für unkritische Aufgaben stärkere internationale Modelle zulassen
- Pro Anwendungsfall festlegen, welches Modell erlaubt ist
Warum ein Schweizer Modell allein noch keinen Datenschutz garantiert
Apertus kommt aus der Schweiz. Wo Ihre Daten verarbeitet werden, entscheidet aber nicht die Herkunft des Modells, sondern wo es läuft und wer den Server betreibt. Ein Schweizer Modell auf einem amerikanischen Cloud-Dienst ist rechtlich ein amerikanischer Dienst.
Drei Fragen helfen bei der Wahl: Wo steht der Server? Wer hat Zugriff auf Eingaben und Ergebnisse? Und was steht im Vertrag, etwa zur Speicherung und dazu, ob Ihre Daten zum KI-Training verwendet werden?
Bei Evoya laufen die Open-Source-Modelle in der Schweiz, und Ihre Daten werden nie zum KI-Training verwendet. Wenn Daten Ihr Netz gar nicht verlassen dürfen, betreiben wir Apertus als Private KI in einer dedizierten Schweizer Umgebung oder On-Premise direkt bei Ihnen.
Apertus in Evoya nutzen
Die Schweizer KI-Plattform von Evoya bringt Apertus und über 30 weitere Modelle in eine Oberfläche, die Ihre Organisation selbst verwaltet.
In der Schweiz gehostet
Open-Source-Modelle wie Apertus laufen auf Schweizer Infrastruktur. Ihre Eingaben werden nie zum KI-Training verwendet.
Modell pro Aufgabe wählen
Apertus für sensible Daten, ChatGPT oder Claude für unkritische Recherchen. Admins legen fest, welche Modelle Ihr Team verwenden darf.
Mit Ihrem Wissen und Agenten
Verbinden Sie Apertus mit eigenen Dokumenten und bauen Sie KI-Agenten, die Aufgaben selbständig erledigen.
Alle Funktionen 14 Tage kostenlos, ohne Kreditkarte. Danach ab CHF 29 pro Monat, alle Preise auf der Preisseite. Sie suchen eine Alternative zu ChatGPT für Ihr ganzes Team? Hier ist der Vergleich.
Häufige Fragen zu Apertus
Ja, das Modell selbst ist kostenlos. Es steht unter der Lizenz Apache 2.0, die Gewichte können Sie frei herunterladen. Kosten entstehen für den Betrieb: entweder für eigene Server mit Grafikkarten oder für einen Dienst, der Apertus für Sie betreibt.
Nein, bei der reinen Leistung nicht. In den Tests der Entwickler liegt Apertus etwa gleichauf mit Llama 3.1 von Meta, die grössten kommerziellen Modelle wie GPT sind bei komplexen Aufgaben stärker. Die Stärken von Apertus sind Transparenz, offene Trainingsdaten und die Möglichkeit, es vollständig in der Schweiz zu betreiben.
Zum Ausprobieren im Chat von Public AI. Als Download auf Hugging Face. Per Schnittstelle bei Swisscom oder Infomaniak. Und ohne Installation in der Evoya-Plattform, zusammen mit über 30 weiteren Modellen. Für Firmendaten empfehlen wir einen Dienst mit Schweizer Hosting und klarem Vertrag.
Laut ETH Zürich berücksichtigt Apertus auch Schweizerdeutsch und Rätoromanisch. Die Qualität ist bei Dialekt und kleinen Sprachen aber geringer als auf Hochdeutsch, Französisch oder Englisch. Für Geschäftstexte empfehlen wir Hochdeutsch und einen Test mit eigenen Beispielen.
Ja, und offener als die meisten Modelle. Neben den Modellgewichten sind auch die Trainingsdaten, die Trainingsrezepte und Zwischenstände des Trainings veröffentlicht. Viele andere «offene» Modelle legen nur die Gewichte offen.
Die EPFL, die ETH Zürich und das Nationale Hochleistungsrechenzentrum der Schweiz (CSCS) im Rahmen der Swiss AI Initiative. Trainiert wurde das Modell auf dem Supercomputer Alps des CSCS.
Ja. Die Lizenz Apache 2.0 erlaubt die Nutzung, Anpassung und Weitergabe auch in kommerziellen Produkten. Beachten Sie die Lizenzbedingungen, etwa den Hinweis auf die Lizenz bei der Weitergabe.
Apertus 1.5 erschien am 24. Juli 2026. Es versteht neben Text auch Bilder, hat einen zuschaltbaren Denkmodus, ein rund viermal grösseres Kontextfenster und arbeitet besser mit Werkzeugen. Dazu kommen 16 kompakte Varianten unter dem Namen Apertus Mini.
Quellen (abgerufen am 31.10.2026): Modellkarte Apertus auf Hugging Face · CSCS, Apertus 1.5 · Public AI, Apertus 1.5 · Swisscom, Apertus auf der Swiss AI Platform · Liip, sechs Wege zu Apertus 1.5. Die Einschätzungen zur Eignung und der Hardware-Richtwert sind unsere eigenen.
Apertus mit Ihrem Team nutzen
Testen Sie Apertus und über 30 weitere Modelle 14 Tage kostenlos. Oder besprechen Sie mit uns, wie Sie Apertus sicher mit Ihren Daten einsetzen.